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Ferdinand Businger und Anna Isler: Briefe vor der Heirat, 1877

 

Von der Familie Businger sind im Staatsarchiv mehrere private Briefwechsel erhalten. Sie geben Einblick in das Beziehungsnetz und das Alltagsleben der bekannten Stanser Politikerfamilie im 19. Jahrhundert.

Briefwechsel von Ferdinand Businger und Anna Isler
Austausch über alltägliche Erlebnisse und Ereignisse, über Lebensziele und Wertvorstellungen: Briefwechsel von Ferdinand Businger und Anna Isler aus der Zeit vor der Hochzeit, 1877. (Staatsarchiv Nidwalden)

 

In den bürgerlichen Kreisen des 19. Jahrhunderts war es üblich, vor der Aufnahme einer vorehelichen Bekanntschaft das Einverständnis des Brautvaters einzuholen. Waren die Zeichen positiv, kam sich das Paar in gegenseitigen Besuchen näher, nahm die Hochzeitsvorbereitungen auf und tauschte sich meist auch in Briefen über alltägliche Erlebnisse und familiäre Ereignisse, über Lebensziele und Wertvorstellungen aus.

Ein reger Briefwechsel aus dieser Werbezeit ist vom Nidwaldner Baudirektor Ferdinand Businger (1839-1909) und seiner Auserwählten Anna Isler (1853-1915) überliefert. Anna Isler stammte aus einer wohlhabenden Aargauer Unternehmerdynastie. Ihr Vater August Isler war Direktor der traditionsreichen Firma Jacob Isler & Co., die von Wohlen aus einen weltweiten Handel mit Strohhüten und Geflechtwaren betrieb. Ein befreundeter Arzt hatte den bereits 38-jährigen Junggesellen auf die «glänzende Partie» aufmerksam gemacht. Die junge Dame sei von «nettem Aussehen, angenehmem Charakter, gut erzogen und gebildet, mit bescheidenem Auftreten» und zudem «finanziell bestens situiert».

Im Februar 1877 nahm das Paar Kontakt auf und korrespondierte schon bald vertraut und angeregt über Alltagsthemen und Zukunftspläne. Anna Isler, die im elterlichen Unternehmen als Hutnäherin arbeitete, liess dem künftigen Gemahl Geschenke zukommen, eine Schreibmappe aus Leder, einen Zeitungsständer. Dem Nidwaldner Bauingenieur und Stabs-Hauptmann wiederum war es ein Anliegen, die Unterschiede betreffend Alter und Vermögen zur Sprache zu bringen. Mit Erträgen aus landwirtschaftlichen Gütern und «mühseliger Berufsarbeit» waren seine Einkünfte zwar standesgemäss, aber nicht ganz so mondän wie die der Aargauer Strohbarone. «Ich hoffe, mich in bescheidenen Verhältnissen ebenso gut zu bewegen wie in den vorteilhaftesten», liess die Braut ihren künftigen «Beschützer» wissen. Noch im Jahr der Hochzeitsvorbereitungen starb ihr Vater an einem langwierigen Lungenleiden.

Anna Isler und Ferdinand Businger heirateten 1877 und gründeten im Busingerhaus am Rathausplatz in Stans (heute Rathausplatz 8) einen gemeinsamen Hausstand. Der Familientradition folgend wurde Businger 1868 Landrat und startete mit seiner Wahl zum Baudirektor 1883 eine erfolgreiche politische Karriere.

 

Portr?t Ferdinand Businger
Ferdinand Businger (1839-1909), Baudirektor ab 1883, und von 1891 bis zu seinem Tod 1909 turnusgemäss jedes zweite Jahr Landammann. Fotografie aus den neu erschlossenen Beständen im Staatsarchiv Nidwalden. (Staatsarchiv Nidwalden)

 

 

Textiles Musterbuch
Textiles Musterbuch mit Bestellungen der Firma Jacob Isler & Co. in Wohlen aus den Jahren 1904/05. Die Aufträge sind an Margaretha Businger (1881-1976) adressiert, Tochter von Anna und Ferdinand Businger-Isler. Bereits Anna Isler hatte in jungen Jahren als Hutnäherin für das elterliche Unternehmen gearbeitet. Offenbar wurde diese Familientradition von der unverheirateten Tochter fortgeführt. Die filigranen Hutbordüren aus Seide, Stroh und Rosshaar wurden noch im 20. Jahrhundert in Heimarbeit hergestellt. (Staatsarchiv Nidwalden)