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«No Time To Lose»: 150 Jahre Musik- und Tanzkultur

30. März 2026
Die neue Ausstellung «No Time To Lose – von Stubeten, Dancings und Discos» im Nidwaldner Museum, Salzmagazin Stans ist eine Zeitreise durch 150 Jahre Nidwaldner Musik- und Tanzkultur. Im Fokus stehen jene Orte und Strömungen, die das musikalische Leben der Region nachhaltig geprägt haben: Von heimischen Stubeten über mondäne Hotelorchester. Von Discos und Festivals über Hitparadenstürmer aus Punk, Pop und Rock mit Ausstrahlung bis nach Los Angeles und Tokio.

Musik ist in unserem heutigen Leben allgegenwärtig. Ob beim Feiern, bei der Arbeit oder unterwegs: Musik ist ständig verfügbar. Doch wie fand sie den Weg in unseren Alltag? «No Time To Lose – von Stubeten, Dancings und Discos» erzählt die Geschichte der populären Musik im Kanton Nidwalden in den letzten 150 Jahren. Das musikalische Vergnügen in Nidwalden wird dabei in seinem Wechselspiel mit Nachbarkanton Obwalden, der Zentralschweiz, der Schweiz und der Welt angeschaut. Von Konflikten mit dem Gesetz über sich wandelnde moralische Vorstellungen bis hin zu technischen Neuerungen zeigt die Ausstellung, wie sich Musik und Gesellschaft gegenseitig beeinflussten – und bis heute beeinflussen. Hits von Volksmusikgrössen und Popstars «made in Nidwalden» sind ebenso zu hören wie in Vergessenheit geratene Songs und Kompositionen.

Von Ländler und Volksmusik bis zu Schlager
Die Ausstellung verdeutlicht, dass Volksmusik in Nidwalden weit mehr war als ländliche Unterhaltung. Sie prägte das gesellschaftliche Zusammenleben an Stubeten oder Tanzanlässen in Gasthäusern. Eine zentrale Figur war der Beckenrieder Ländlerpionier Gabriel Käslin, der mit seiner «Käslin-Musik» landesweit auftrat. Die Melodie seines «Schäfli-Schottisch», benannt nach dem gleichnamigen Restaurant in Beckenried, wurde später zum Fundament für den Mundartklassiker «Grüezi wohl, Frau Stirnimaa!» der Minstrels, der 1969 zum internationalen Erfolg avancierte und sich in 27 Ländern über 1.5 Millionen Mal verkaufte. Drei Jahrzehnte davor, an der Landesausstellung 1939, wurde der Ländler im Sinne der Geistigen Landesverteidigung noch als Schweizer Nationalmusik präsentiert. Nach dem Ausbruch des Zweiten Weltkriegs blühte die einheimische Musik auf und Schweizer Schlager wie «Guete Sunntig mitenand», «’s Landi-Dörfli» und das Margritlilied wurden populär. In den darauffolgenden Jahrzehnten löste die Unterhaltungsmusik, geprägt durch Namen wie Hazy Osterwald, die Ländler- und Volksmusik auch in Nidwalden als Tanzmusik ab.

Kur und Tanzorchester: Musik als Teil des Tourismus
Mit dem Aufkommen des Fremdenverkehrs ab den 1870erJahren entstanden in Unterwalden Kur- und Salonorchester, die in den Hotels von Stansstad, Beckenried oder Engelberg spielten. Was zunächst als musikalische Dienstleistung für ein wohlhabendes Publikum begann, wurde in der Zwischenkriegszeit zu einem Wirtschaftsfaktor: Dancings und Hotelbars entwickelten sich zu Orten, an denen JazzBands, Swing und internationale Tanzmusik spielten. Tanzabende wurden nahezu täglich angeboten, und viele Betriebe warben gezielt mit moderner Musik. Gleichzeitig prägten moralische Vorbehalte der katholischen Kirche und gesetzliche Regulierungen Tanz und Vergnügen bis weit ins 20. Jahrhundert hinein.

Rock und Pop mit internationaler Reichweite
Mit der wachsenden Mobilität der Nachkriegszeit und der Verbreitung neuer Medien gelangten auch Rock und Pop nach Nidwalden. Bands gründeten sich, Kulturorte wie das Chäslager entstanden, und lokale Musikerinnen und Musiker begannen, sich stärker an internationalen Vorbildern zu orientieren. Besondere Aufmerksamkeit in der Ausstellung erhalten drei Formationen, die über die Region hinaus ausstrahlten: Phil Carmen, der in Nidwalden musikalisch sozialisiert wurde und 1985 mit dem Titel «On My Way in L.A.» einen internationalen Hit landete. Why Blood, die mit ihrem Song «Mexicana Hotel» 1980 in Japan Platz sieben der Hitparade belegten. Und die Band Mainstreet, die mit dem Album «No Time To Lose» (dem Titel der aktuellen Ausstellung) 1981 nationale Erfolge feierte und deren Song «Hollywood 26 25 24» 1982 in die Schweizer Hitparade einstieg. Parallel zur Rock- und Pop-Bewegung fanden in Wolfenschiessen zwischen 1980 und 1984 legendäre Punkkonzerte statt, an denen Kulturgrössen wie Stephan Eicher oder Beat Schlatter und Bands wie LiLiPUT mitwirkten. Aber auch neuere Musikgeschichte ist zu erleben: Wie die Originaltrophäen des Jodlerklubs Wiesenberg für ihren ersten Nidwaldner Nummer-1-Hit der Schweizer Hitparade «Das Feyr vo dr Sehnsucht» zusammen mit Francine Jordi.

Museums-Disco zum Mittanzen
Im obersten Stockwerk des Salzmagazins animiert eine 80erJahreDisco, ausgestattet mit der originalen Sitzgruppe aus dem ehemaligen «Happy Day» in Wolfenschiessen, zum Mittanzen. Besucherinnen und Besucher können dort eigene Erinnerungen aufzeichnen und an den sogenannten «sprechenden Wänden» die Anekdoten anderer Gäste anhören. Am DJ-Pult lassen sich Musiktitel auswählen und zu einer stetig wachsenden «No Time To Lose»-Spotify-Playlist zusammenfügen. Diese ist auch von zu Hause aus abrufbar. Dazu bietet die Disco die Möglichkeit, aus rund 30 Stücken – darunter die 2025 in Nidwalden meistgestreamten Songs, Titel aus der Ausstellung sowie Beiträge bekannter Schweizer Bands – eine eigene Hitparade zusammenzustellen.

Chäslager und Stanser Musiktage als kulturelle Ankerpunkte
Die Ausstellung verweist zudem auf die Bedeutung lokaler Kulturorte. Das Chäslager Stans, eines der ersten Kleintheater der Schweiz, fungierte ab den späten 1960erJahren als Labor für Jazz, Rock und Theaterproduktionen. Nach der Lockerung des Tanzgesetzes 1964 entstand in Nidwalden eine aussergewöhnlich hohe Dichte an Dancings und Discos. Diese wurden zu beliebten Treffpunkten der jüngeren einheimischen Bevölkerung, aber auch von Gästen aus urbanen Einzugsgebieten der Deutschschweiz, wo die Regelungen für solche Unterhaltungsbetriebe oftmals strenger waren. Auch die Stanser Musiktage spielen eine wichtige Rolle: Das Festival, das 2026 seine 30. Ausgabe feiert, steht für die Verbindung zwischen regionalen Musiktraditionen und vielfältiger «World Music». Aus dem Geist der Stanser Musiktage schöpften die beiden Kuratoren Catherine Huth und Joel Wehrle denn auch die Inspiration und Umsetzungskraft für die museale Zeitreise durch die reichhaltige Musiktradition des Kantons Nidwalden.
 

Die Ausstellung gibt Einblick in die frühere Disco- und Tanzkultur. (Bild: Nidwaldner Museum/Christian Hartmann)
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Medienmitteilung Ausstellung No Time to Lose (PDF, 724 kB) Download 0 Medienmitteilung Ausstellung No Time to Lose