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Keltisches Mädchengrab in Stans (jüngere Eisenzeit, 2. Jh. v. Chr.)

Umzeichnung des Skeletts und der Grabbeigaben (Fachstelle für Archäologie) Umzeichnung des Skeletts und der Grabbeigaben (Fachstelle für Archäologie)

 

Während der Renovation der Pfarrkirche Stans 1984/85 stiessen die Archäologen unter der südlichen Längsmauer der ersten Steinkirche auf ein keltisches Grab eines jungen Mädchens. Die spätere Untersuchung ergab, dass das Mädchen im Alter von etwa 11 Jahren gestorben war, das Grab wurde aufgrund der Grabbeigaben in die jüngere Eisenzeit um 150 v. Chr. datiert. Das Mädchen wurde in südwest-nordöstlicher Richtung bestattet, mit dem Kopf im Nordosten. An den Rändern der Grabgrube waren deutliche Verfärbungen zu beobachten, die auf einen Holzsarg hinweisen. Ob es sich um ein Einzelgrab oder um ein Gräberfeld handelt, liess sich aufgrund der eingeschränkten Grabungsfläche allerdings nicht feststellen.

Eine Halskette aus Glas-, Bronze- und Bernsteinperlen, drei Eisenfibeln, von denen zwei stark korrodiert waren, sowie eine grosse Ringperle waren als Beigaben der Toten mit ins Grab gegeben worden. Neben ihrem Schädel lag ein Tierknochen (Schaf oder Ziege). Beigaben in dieser Kombination sind in keltischen Kindergräbern dieser Zeit durchaus üblich und erlauben eine recht genaue Datierung.

Das keltische Mädchengrab ist die bisher einzige Bestattung aus der Eisenzeit in Nidwalden. Der Grabfund ist ein Mosaiksteinchen im bisher noch sehr fragmentarischen Bild der Urgeschichte des Kantons Nidwalden und der Zentralschweiz insgesamt. Viele Fragen bleiben vorderhand offen. Auffällig ist die Bestattung am Ort einer späteren christlichen Kirche, die erst rund 750 Jahre nach der Bestattung des Mädchens erbaut worden ist. War hier bereits zu keltischer, vorchristlicher Zeit ein religiöser Ort? Handelt es sich um eine Einzelbestattung oder gibt es weitere noch unentdeckte keltische Gräber? Gehört zur Bestattung (oder zu den Bestattungen) eine keltische Siedlung oder war die Gegend damals nur zwischenzeitlich besiedelt? Lässt sich vielleicht eine Siedlungskontinuität bis ins zweite vorchristliche Jahrhundert nachweisen? Nur weitere archäologische Befunde werden solche Fragen vielleicht irgendwann beantworten können.

Literatur

Lehner, Hans-Jörg: Ein keltisches Mädchengrab unter der Pfarrkirche zu Stans NW, in: Archäologie Schweiz 9 (1986), S. 6-8.