Fürsorgerische Zwangsmassnahmen vor 1981

 

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Die Schweiz arbeitet ein schwieriges Kapitel ihrer Sozialgeschichte auf. Es geht um die Schicksale von Kindern und Erwachsenen, die vor 1981 von fürsorgerischen Zwangsmassnahmen oder Fremdplatzierungen betroffen waren. Dazu zählen Verdingkinder, Heimkinder und Versorgte in geschlossenen Anstalten oder sogar in Strafanstalten, Zwangsadoptierte und Personen, die unter Zwang sterilisiert oder kastriert worden sind.

Aktensuche in den Archiven

Betroffene haben das Recht auf Einsicht in die Akten über sich. Wir helfen bei der Suche – auch in anderen Archiven – und versuchen, die noch vorhandenen Dokumente zusammenzutragen. Diese Nachforschungen benötigen viel Zeit, es kann mehrere Wochen oder Monate dauern, bis die Dokumente gefunden sind. Leider kann es auch sein, dass die Suche erfolglos bleibt, weil nicht alle Akten aufbewahrt worden sind.

Akteneinsicht

Die gefundenen Akten können im Staatsarchiv eingesehen werden. Auf Wunsch schicken wir Ihnen Kopien der Dokumente nach Hause. Es ist allerdings nicht möglich, die originalen Akten herauszugeben.

Solidaritätsbeitrag

Mit dem Bundesgesetz über die Aufarbeitung der fürsorgerischen Zwangsmassnahmen und Fremdplatzierungen wurde ein Solidaritätsfonds eingerichtet. Betroffene von Zwangsmassnahmen können beim Bundesamt für Justiz Gesuche für einen Solidaritätsbeitrag einreichen. Dies ist ab dem 1. November 2020 wieder möglich. Grundlage für ein Gesuch sind die archivierten Akten über die Zwangsmassnahmen. Auf Wunsch helfen wir Ihnen, Ihr Gesuch einzureichen.

Wissenschaftliche Aufarbeitung

Fürsorgerische Zwangsmassnahmen und Fremdplatzierungen werden als Teil der Aufarbeitung wissenschaftlich untersucht. Die Ergebnisse sollen helfen zu verstehen, weshalb und wie die Zwangsmassnahmen und Fremdplatzierungen angeordnet und vollzogen worden sind. Es wird auch untersucht, welche Auswirkungen sie auf die Betroffenen und ihr Umfeld hatten und auch heute noch haben.

Zur Aufarbeitung gibt es zwei Forschungsprojekte: Die unabhängige Expertenkommission (UEK) untersuchte die administrativen Versorgungen in der Schweiz, die Arbeiten sind Ende 2019 abgeschlossen worden, die Ergebnisse sind publiziert. Der Schweizerische Nationalfonds führt ein nationales Forschungsprogramm "Fürsorge und Zwang - Geschichte, Gegenwart, Zukunft (NFP 76)". Dieses Programm untersucht das Thema umfassend und mit interdisziplinären Ansätzen.

Zugehörige Objekte